Treibsand

Fundstücke aus dem Treibsand der Behörden und Institutionen: 

Wir graben tiefer. 

Was wir ausbuddeln ist oft überraschend, manchmal ärgerlich, manchmal empörend- und nicht selten auch komisch.

In einer lockeren Folge von freien Beiträgen bauen Autoren diese Fundstücke hier zusammen. 

Da es uns wichtiger ist, die Aue zu retten, als dem Samtgemeindebürgermeister auf den Schlips zu treten, haben wir eventuell kritische Passagen geschwärzt.

Auf die Vermittlung von belegbarem Tatsachen wollten wir hier allerdings nicht verzichten

es gab sie: die Antragskonferenz

eine Kolumne von Holger Gerlich)

Grüne Auenlandschaft, grüne Wälder, saftige Wiesen, der Bach plätschert dahin.

Und mittendrin eine Antragskonferenz. 

Wir erinnern uns: „Es gibt keinen Antrag!“ 

Außer dem einen auf Änderung des Flächennutzungs-Plans – unter Eingeweihten “F-Plan” genannt. Ist aber bis 2021 irgendwie untergegangen, dass der gestellt wurde.  

Ist ja auch schon 3 Jahre her

Häufige Frage beim Tatort: „Wo waren Sie am 14.02.2019?“ Ich? Keine Ahnung. Wo war ich vor 2 Tagen? 

So ist es auch niemandem in Amt und Würden anzulasten, wenn er sich nicht daran erinnert, wo er oder sie am 14.02.2019 war. Ohne spoilern zu wollen: am 8.11.2018 wurde überlegt was für eine Antragskonferenz vonnöten ist.

Ah, ja, dämmert da was?

Weil sich alle so lieb haben und sich gerne treffen wollen, machen wir halt eine Antragskonferenz. Hat bestimmt nix mit nem Antrag zu tun. Heißt nur so. 

Irgendeinen Namen braucht das Kind nun mal.

Und weil 2019 bei Corona noch alle an eiskaltes Bier denken, werden noch 4 Leute vom Landkreis eingeladen. 15 Leute an einem Tisch. Keine Maske, kein Abstand. Klingt nach Märchen, 2019 ging das noch.

Zurück zum Thema. 

Antragskonferenz. 14.02.2019. 

Herr Ziel vom Landkreis erklärt kurz, wie das Verfahren abläuft. 

„Anträge auf Änderung des RROP (Regionales Raumordnungsprogramm) gehen jeweils über die Gemeinden Toppenstedt, Garstedt und Wulfsen an die Samtgemeinde; dann über die Samtgemeinde an den Landkreis Harburg.“ 

Da dreht sich mir schon wieder alles. 

Wie jetzt? Die Anträge gehen von den Gemeinden aus? 

Aber es gibt ja gar keinen Antrag!

Und wenn es einen gäbe, dann würde der Landkreis sich doch an die Samtgemeinde wenden und die Gemeinden dürften Meinung dazu abgeben, oder?

Also andersrum. 

Dabei haben die Gemeinden doch eigentlich nichts dazu zu melden. Das sagten die Bürgermeister und der SGBGM auf ihrer Infoveranstaltung im Hause Voßbur am 04.10.2021.  

Und jetzt? Na mir dreht sich schon wieder alles.

Da darf auch wer anders mal was durcheinander bringen. 

Ist ja vielleicht auch egal wie rum das Pferd aufgezäumt wird. 

Oder doch nicht? 

Garstedt hat sich schon für den Kiesabbau ausgesprochen.

Gibt zwar noch keine Informationen und wir sind ganz am Anfang und die Gemeinderäte haben ja auch noch gar keine Informationen und eigentlich auch nichts zu sagen. Aber Garstedt ist schon mal dafür. 

Oder hat nur Frau Beyer ihrem Rat aus der Antragskonferenz berichtet?

Brauchte sie eigentlich gar nicht. Wurde nämlich schon in der Antragkonferenz notiert, unter weiteres Vorgehen:

„1. Beratung in den Gemeinden (hierbei positiv: grundsätzlich stehen die Gemeinden dem Vorhaben positiv gegenüber. Das erleichtert voraussichtlich die Entscheidungswege)“. 

Hab ich mir nicht ausgedacht, steht da so im Protokoll- wörtlich. 

Die Räte wissen von nix, stehen dem ganzen aber vorsorglich schon mal positiv gegenüber?

So einfach kann Politik sein.

Was habe ich hier sonst noch? 

Ach, eigentlich wollte ich zum Antrag auf Nassabbau was schreiben. 

Ok, bevor ich das wieder verschiebe: es gibt keinen Antrag (Zitat SGBGM).

Außer den auf F-Planänderung- und den auf Nassabbau, also Baggersee. 

Der zweite, also der Nassabbau war, was das Hydrogeologische Gutachten angeht, leider offenbar so schwupdimäßig und unzureichend, dass der Landkreis ihn nicht bearbeiten konnte, aber damit konnte ja auch keiner rechnen, dass das wirklich wen beim Landkreis interessiert, wo es doch nur um Nassabbau geht…  

hat er nun? Oder nicht? Der Antrag:

(eine Kolumne von Holger Gerlich)

Grüne Auenlandschaft, grüne Wälder, saftige Wiesen, der Bach plätschert dahin.

„ES GIBT KEINEN ANTRAG!“ hallt es durch die Lande. Gebetsmühlenartig. Immer wieder. „Kein Antrag!“ OK, kein Antrag!

Wirklich kein Antrag? „KEIN ANTRAG!“ Ok, also wirklich nicht. Auf wen sollen wir uns schließlich verlassen können, wenn nicht auf unsere gewählten Vertreter!?

Kein Antrag also.

Nicht beim Kreis, nicht bei den Gemeinden. Ok. Verstanden.

Komisch, aber gibt es halt nicht. Hatte ja auch keiner vor, eine Mauer zu bauen.

Also kein Antrag. Aber gab es mal einen?

Könnte ja auch einem fleißigen Verwaltungsbeamten mal entfallen. Gerade in Corona-Zeiten haben ja alle viel um die Ohren. Gab es mal einen?

„Nein, kein Antrag!“ Ok. Auch nicht. 

Und das Schreiben der Firma Lütchens vom 13.07.2017? Eingangsstempel der Samtgemeinde vom 20.07.2017? Ach, das ist bestimmt kein Antrag.  Firma Lütchens bittet nur höflichst um eine Änderung des Flächennutzungsplans.

Also kein Antrag. Verstanden. 

Was habe ich hier sonst noch? 

Gesprächsvermerk der Samtgemeinde vom 9.11.2017. Auch kein Antrag. Haben sich bestimmt nur ein paar Leute zum Kaffee getroffen. Der Strickkreis Auetal wahrscheinlich.

Obwohl, da waren ja einige dabei. Lütchens, zu zweit, mit ihrem Planer (immerhin), das Büro Patt (warum eigentlich immer und überall Patt?), die Samtgemeinde mit 3 Personen (immerhin nur die “2. Reihe”) und die betroffenen Gemeindevertretungen. 

Bitte wer? Die Gemeindevertretungen? Bestimmt auch nur 2. oder 3. Reihe.

Oho: Beyer. Nottorf. Domnick. Aber die Gemeinden wissen doch von nix? Bisher keine Infos für die Räte.

Völlige Ahnungslosigkeit!

Antrag gibt es nicht und das Verfahren ist doch ganz am Anfang? Aber alle mit dabei? Seit 2017?

Hossa. Aber vielleicht haben sie sich ja doch nur zum Stricken getroffen. 

Was hat denn die Samtgemeinde so vom Treffen notiert? „Am 13.07.2017 beantragte Fa. Lütchens die Änderung des Flächennutzungsplans (F-Plan) im Bereich ihrer Abbaugebiete, um die Zukunft […].“ 

Das ist ja ein Ding. Antrag F-Planänderung. Hat den Oberen der Samtgemeinde bestimmt nur niemand weitergesagt, dass es sowas gibt. Antrag F-Planänderung. 

Das alte Thema: „gutes Personal zu finden…”

Eigentlich wissen wir es ja: „Es gibt keinen Antrag!“

Was habe ich hier sonst noch? 

8.11.2019. Gleiche Runde wie am 9.11. Gleiche Runde?

Wulfsen ist dieses Mal mit dem Bürgermeister vertreten. Und die Samtgemeinde mit dem SGBGM. (Klingt nach Stasi oder MI 6, ist aber der SamtGemeindeBürgerMeister). Also diesmal die ganze Belétage.

Thema? Vorbereitung einer Antragskonferenz.

Wozu denn nun bitte eine Konferenz ohne Antrag? Das ist mir zu hoch, ich brauch mal eine Pause.

Eigentlich wollte ich auf den vorliegenden Antrag auf Nassabbau auf der Bestandsfläche in Tangendorf abzielen.

Den gibt es nämlich schon.

Aber nach so viel „Kein Antrag“ und Antragskonferenzen und Mauern, die gar keiner bauen will und Anträgen auf F-Planänderungen, schwirrt mir der Kopf. 

Was habe ich hier sonst noch? Das erzähl ich euch beim nächsten Mal.

eine Pattsituation?

(eine Kolumne von Holger Gerlich)

Grüne Auenlandschaft, grüne Wälder, saftige Wiesen, der Bach plätschert dahin.

Und um das perfekte Glück zu schaffen, bekommen wir noch einen riesigen Badesee. 

Gut, erst in 60 Jahren. 

Und das auch nur, wenn Lütchens jetzt endlich mal einen Zahn zulegt und mehr Sand abbaut. Wenn das so weitergeht, wie in den letzten 20 Jahren, dann wird das mit dem Baden im See erst in über 300 Jahren etwas. Kein Witz, kann man ausrechnen.  

Gut. 

Freuen sich meine UrUrUrUrUrUrUrUrUrUrenkel halt, wenn sie meine UrUrUrUrUrUrUrUrenkel besuchen, die dann ihre Oma und Opa sind. Falls Tangendorf bis dahin nicht das gleiche Schicksal ereilt, wie so viele Dörfer z.B. in der Lausitz.

Aber der See ist dann bestimmt superschön.

Was habe ich hier sonst noch?  

Ach ja, gibt ja noch mehr Optionen der Nachnutzung als nur den Badesee. 

Das Büro Patt hatte da eine Superidee: “Wir machen eine Planung zur Dorfentwicklung!“ Wird vom Bund gefördert und dann kann in dem Zuge gleich die Nachnutzung mit geplant werden. Dann muss Lütchens das nicht auch noch bezahlen. 

Und weil alle die Idee super finden, wird das Büro Patt gleich damit beauftragt. 

So schafft man sich neue Aufträge.

Am 04.09.2020 trifft sich dann die ganze Gefolgschaft zum gemeinsamen Stricken und Brainstormen. Beyer, Nottorf, Schmiedebach, Lütchens Junior und Lütchens Senior, ihr Planer, der Patt, ist natürlich auch dabei, und die Samtgemeinde mit Wedemann und Celik. Außerdem die Mitarbeiterin von Patt, da haben nur leider alle vergessen, mal nach dem Namen zu fragen.

Und was kam beim Brainstormen so raus? Kennen wir schon alles, wurde im Juni 2021 ja breitgetreten: wie toll das alles mal wird, wenn es fertig ist. 

Gut, so ganz toll wird vielleicht doch nicht alles. 

Die tolle TinyHouse-Siedlung zum Beispiel. Wurde nämlich gleich festgestellt, „…dass die Raumordnung eine neue Siedlung mitten in der Landschaft nicht genehmigen wird…“. 

Wie jetzt? Ist allen im ersten Moment sofort klar, dass das nix wird? 

TinyHouse klingt aber gerade so träääändi. Lassen wir einfach drin, interessiert später eh keinen mehr.

Stichwort Campingplatz; In guter deutscher Manier wird gleich Wagnis und Gewinn geklärt- Gewinne privatisieren, Wagnis trägt dann die Gesellschaft:  die umsichtigen Beteiligten stellen gleich fest: „Es wird auf die Verantwortlichkeit hinsichtlich Pflege und Unterhaltung der Flächen hingewiesen. Diese sollte nicht beim Eigentümer, sondern in den Händen der Gemeinde liegen.“ Das ist mal fürsorglich. 

Danke Lütchens, danke für den tollen See! Wer sich so sehr um das Gemeinwohl kümmert, sollte sich nicht noch um die Pflege seines Campingplatzes kümmern müssen. 

Nicht heute und nicht in 300 Jahren.

Mehr Sand

(eine Kolumne von Holger Gerlich)

Grüne Auenlandschaft, grüne Wälder, saftige Wiesen, der Bach plätschert dahin. Gemalt wäre es kitschig.

Kaum verlasse ich das schattige Grün, stehe ich an der Kiesgrube. Sand braucht jeder. Früher oder später. Hausbau, Terrasse, Sandkasten für die Kinder.…

Jeder braucht ihn, jeder will ihn. Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Glücklich schätzt sich, wer eine Kiesgrube vor der Türe hat. Dazu ein kleines lokales Unternehmen, das die Anrainergemeinden versorgt. Am liebsten mit einer langen Familientradition.

Möglichst zentral, für kurze Wege.  Kurze Wege? Zentral?  Regionale Versorgung? 

Zentral und kurze Wege, das war Herrn Ziel sehr wichtig bei der Bürgertisch-Veranstaltung. Auf die Frage: „warum nicht dezentral?“ war seine Antwort: „Für kurze Transportwege!“ OK.

Wenn ich mir jetzt z.B. Halvesbostel anschaue, sehe ich, dass der Ort ziemlich weit im Westen liegt. Zumindest in unserem Landkreis: 500 m bis zum Landkreis Stade.

Von Tangendorf aus sind es nach Osten ca. 8.000 m bis zum Landkreis Lüneburg, dafür aber 38 km bis nach Halvesbostel. Viel weiter kann die Entfernung im Landkreis nicht sein.

Herr Ziel – ich glaube da machen wir einen Gedankenfehler…. Gut, wenn die Fa. Lütchens nicht nur im Landkreis liefern soll. Dann wäre das vielleicht egal. Sie soll aber ja die regionale Versorgung sicherstellen und dann ist es nach Halvesbostel doch weit. Appel oder Drestedt wären da deutlich näher. Gibt schöne Abbauflächen in der Gegend.

Was habe ich hier sonst noch?

Noch eine Frage zur regionalen Versorgung. War ja allen wichtig.

Wer im Landkreis bauen möchte, braucht Sand. Aber was ist denn eigentlich wenn der Sand aus dem Auenland gar nicht hier verarbeitet wird?

Vielleicht geht in Abu Dhabi ja der Sand aus? Oder es wird der Sand einfach überwiegend nach Hamburg oder Schleswig-Holstein geliefert? Wer sagt denn, dass der Sand überhaupt die lokale Nachfrage deckt?

Fragen wir doch mal Herrn Wedemann, zuständig für die Abteilung Bauen in Salzhausen. Der hat uns dazu folgendes geschrieben: „Den Inhabern von Abbaugenehmigungen steht es frei, ihre Rohstoffe innerhalb des Landkreis Harburg oder an andere Orte zu liefern. Da es keine gesetzliche Begrenzung der Lieferung von Rohstoffen über Kreis-, Landes- oder Staatsgrenzen gibt, […]“. Seinen Sand kann Herr Lütchens also verkaufen wohin er will. Auch nach Abu Dhabi, sollte dort Not an Sand sein.

Was habe ich hier sonst noch?

Ach ja, wenigstens bleibt der Abbau bei dem freundlichen Familienunternehmen von nebenan. Das ist zumindest sicher, oder Herr Wedemann? „Das Abbaurecht hängt immer an der Fläche. Somit kann der Flächeneigentümer auch das Abbaurecht veräußern.“  

Das ist ja ein Ding.

Also ein völlig fiktives Szenario: In einem Ort, nennen wir ihn Fünfhöfen, gäbe es eine Kieskuhle, in der es Probleme mit dem Abbau gäbe. Hypothetisch, versteht sich. Und das überregionale Unternehmen, nennen wir es Mahnke, würde Lütchens ein gutes Angebot machen, dann ist es vorbei mit Familienunternehmen. Dann würde also der Sand, der von einem Familienunternehmen für den regionalen Bedarf abgebaut werden soll, von einem überregional tätigen Unternehmen abgebaut, das unseren Sand sonst wohin exportiert? 

Na, dann hoffen wir mal, dass Manzke und Dörner knapp bei Kasse sind und keiner von beiden ein gutes Angebot macht. Sonst ist es vielleicht schnell vorbei mit „regional“ und „Familienbetrieb“.

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