Eure Fragen – Unsere Antworten

Hier werden wir im Laufe der Zeit eure und unsere Fragen zum Thema “Kies- und Sandabbau”, bzw Naturschutz in Wald und Auenland sammeln und versuchen, Antworten zu finden.

Wenn ihr Fragen habt, die sich zum Verständnis dessen ergeben, was hier gerade passiert, dann stellt sie gerne an unsere Mailadresse, rettet@dieaue.de, wir versuchen, soweit möglich, sie zu beantworten.

Die Gerüchteküche, eine Rezeptur.

Man nehme:
1/2 Liter Unwissenheit 

1/2 Liter Misstrauen

1 Pfund gepflegtes Vorurteil

2 Esslöffel Dreistigkeit

3 Teelöffel feingehackten Respekt

1 Tasse Absicht

1 Tasse „Ichsagjanur“
Zubereitung: Unwissenheit und Misstrauen mit dem Vorurteil in den Thermomix geben, bis alles aufschäumt.

Mit Dreistigkeit und gehacktem Respekt ablöschen, die Tasse Absicht und Ichsagjanur dazugeben und wieder reduzieren – solange bis es am Boden ansetzt und langsam anbrennt.
Kommt dann Rauch aus dem Thermomix, ist das Gerücht fertig.

Jetzt das Küchenfenster öffnen und das Gerücht dahinziehen lassen – viel Erfolg!

Gerüchteküche im Dorf, 5. Fehlinformation:

Womit denn bloss? Wir gäben was drum, wenn wir wüßten, womit!
Wir haben mit Heinrich persönlich gesprochen und er selbst sagte uns, dass das nicht stimmt. Lediglich die Formulierung auf unserem ersten Flyer, dass der Abbau ein Abschiedsgeschenk Heinrichs sei, sei ihm “unter die Haut” gegangen. Das ist aber nicht die Gürtellinie!
Fakt ist: Bürgermeister sprechen seit Jahren über die Pläne. Eine wichtige Grundlage wurde bei der Änderung des RROPs 2017 gelegt. Diese Änderungen wurden nie abgestimmt, diskutiert oder der Öffentlichkeit wirklich offiziell mitgeteilt.
Aus den Planungsunterlagen der Samtgemeinde und des Büro Patts geht klar hervor, dass die Bürger bei den Erweiterungsplänen nur bei der Nachnutzung mit einbezogen werden sollten.
Die Formulierung “Abschiedsgeschenk” ist da sicher provokativ – wir haben uns ja auch schon dafür bei Ihm entschuldigt. Aber unter der Gürtellinie ist sie wahrlich nicht!

Gerüchteküche im Dorf, 4. Fehlinformation:

EHER NICHT! Da wir von Gemeindeseite ja immer wieder gehört haben, dass es bisher keine Informationen dazu gibt und uns auch die Samtgemeinde hierzu keine Auskunft gibt, haben wir die uns zugängliche Planung der Fa. Lütchens genommen, haben uns vor den Rechner gesetzt, haben GoogleEarth befragt und uns die Flächen zusammengemessen. Und wir haben es immer so kommuniziert: diese Berechnung ist sicher nicht zu 100% genau, aber ob 180, 185 oder 190 ha.- zuviel ist zuviel, so denken wir.Wer sagt, wir arbeiteten mit falschen Daten, der müssten ja richtige Daten vorliegen haben die unsere als falsch verifizieren. Wenn solche Daten vorliegen, freuen wir uns, wenn diese im Sinne eines transparenten Verfahrens kurzfristig veröffentlicht oder uns zugänglich gemacht würden.

Gerüchteküche im Dorf, 3. Fehlinformation:

Leider sieht das anders aus. Auf der Sitzung der Wassergenossenschaft in Tangendorf hat uns der Gutachter Dr. Schmidt bestätigt: Wenn der geplante Nassabbau kommt, fallen die Bäche ziemlich sicher trocken. Im Gegenzug steigt in Wulfsen das Grundwasser und die Keller werden feucht. (In Vierhöfen ist das übrigens schon genau so gelaufen)

Gerüchteküche im Dorf, 2. Fehlinformation:

FALSCH! Wir haben lediglich auf die Internetseite der Gemeinde Toppenstedt verlinkt. Denn die Anschriften aller Ratsmitglieder sind hier veröffentlicht, wie es das Gesetz vorsieht.Weitere Daten wurden nicht verbreitet.

Gerüchteküche im Dorf, 1. Fehlinformation:

FALSCH! Uns hat niemand verklagt. Geht auch gar nicht, weil wir ja nicht lügen. Wenn irgend jemand einen Fehler in den Darstellungen findet oder aktuellere oder genauere Daten hat: Meldet euch gerne. Wir lernen gerne dazu!

Um welche Flächen handelt es sich?

Lütchens möchte die Osterheide und die Teufelskuhle von unserem Naherholungsgebiet in ein Rohstoffabbaugebiet umschreiben lassen. 

Was genau ist denn dieser Antrag, von dem alle sprechen und was ist das RROP?

Das Regionale Raumordnungsprogramm weist Flächen eine bestimmte Bedeutung zu. Im Fall Kiesabbau unterscheidet man zwischen Rohstoffsicherungsflächen und Rohstoffgewinnungsflächen. Bisher sind die Osterheide und die Teufelskuhle als Rohstoffsicherungsflächen eingetragen. Hier gibt es Sand- und Kiesvorkommen. Um den Abbau betreiben zu können, müssen diese Flächen allerdings in Rohstoffgewinnungsflächen umgewidmet werden. Dies beantragt die Firma Lütchens.

Was genau steht eigentlich über diese Flächen im RROP?

Da steht: “…Erholungswert und -eignung des Gebietes werden durch den Abbau voraussichtlich erheblich negativ beeinträchtig. Darüber hinaus findet eine erhebliche Beeinträchtigung der angrenzenden Ortsteile Tangendorf und Neu- Garstedt, insbesondere bedingt durch den Transport gewonnener Rohstoffe, statt. Durch den Abbau wird voraussichtlich das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigt. Dies wirkt sich auf das pot. LSG 19 sowie die hochwertige Landschaftsbildeinheit Nr 75 aus. Angrenzend an den Abbau befunden sich naturschutzfachlich wertvolle Bereiche. Hierbei handelt es sich um ein VRG Natur und Landschaft, das potentielle Naturschutzgebiet 199, nach § 30 BNatSchG besonders geschützte Biotope und wichtige Bereiche für den Tier- und Pflanzenartenschutz. … Sollten im Bereich des VRG Bodendenkmale wie Grabhügel vorhanden sein, ist damit zu rechnen, dass diese durch Abgrabungen erheblich beeinträchtigt sein werden. …”

Anmerkung: Das “potentielle Naturschutzgebiet Nr 199” ist mittlerweile das EU- zertifizierte Natura 2000 Gebiet “Pferdebach und Auetal” und genießt höchsten Schutzstatus

Aber alle sagen doch, dass wir als Gemeinde überhaupt keine Entscheidungsgewalt über ein solches Unterfangen haben. Regelt das nicht der Kreis?

Es ist richtig, dass der Landkreis am Ende die Entscheidung fällt. Bei einer Änderung des RROPs müssen aber alle Stimmen gehört werden, da jeder ein Recht auf Einsprucherhebung hat. Im ROP des Bundes steht explizit, dass in einem öffentlichen Verfahren alle Ebenen – von der Kommune bis zum Kreis – befragt und ein Stimmungsbild eingeholt werden muss. Das bedeutet für uns: Wenn unsere Gemeinderatsmitglieder den Antrag durchwinken, weil sie meinen, eh keine Entscheidungsmacht zu haben, entsteht der Eindruck bei der Samtgemeinde, dass Toppenstedt/Tangendorf dem Antrag zustimmt. Und so wird es dann die Samtgemeinde auch an den Kreis weitergeben. Deshalb fordern wir unsere Gemeinde- und Samtgemeinderatsmitglieder auf, „Nein“ zu dem Antrag zu sagen!

Noch mehr dazu?

Seit der Videokonferenz vom 09.06. JA! Auf Nachfrage des Moderators Hr. Wilke hat Herr Ziel, als Vertreter des Landkreises bestätigt, dass der Landkreis auf eine Anfrage der Samtgemeinde hin aktiv wurde!  Die Behauptung der Samtgemeinde, es gäbe keine Entscheidungsmöglichkeit durch die Gemeinde ist also schlicht FALSCH. Das ganze Verfahren läuft jetzt los, weil die Gemeinde im Interesse der Fa. Lütchens den Landkreis um Prüfung der Änderung gebeten hat!   

Soviel zu einem ehrlichen und fairen Umgang und ehrlichen und fairen Information!

Wie groß ist die beantragte Fläche?

– Insgesamt handelt es sich um 185 ha. Das entspricht einer Fläche von ca. 260 Fußballfeldern.

Und wie viel Sand brauchen wir?

  •  Gewonnener Tangendorfer Sand in den letzten 20 Jahren bei 5m Schichtstärke:

   16 Hektar x 10.000 m² x 5 m = 800.000 m³

  • Noch zu Verfügung stehender Tangendorfer Sand bei 5m Schichtstärke:

             18 Hektar x 10.000 m² x 5 m = 900.000 m³

  • Geplante Sandgewinnung bei im Mittel 12m Schichtstärke:

185 Hektar x 10.000m² x 12 m = 22.200.000 m³

Wer möchte kann das Kieswerk seines Vertrauens ja mal fragen was ein m³ Sand genau kostet. Gängige Marktpreise sind, je nach Weiterverarbeitung, 10 – 50 €/m³ (netto).

(1 Hektar = 10.000m²)

Die Rechnung hat natürlich einige Ungenauigkeiten, zeigt aber sehr gut die Größenordnungen von denen hier gesprochen wird. 

Seid Ihr generell gegen den Kiesabbau? Wir alle brauchen doch Kies und Sand zum Bauen!

– Nein, wir sind nicht generell gegen den Kiesabbau. Die Firma Lütchens hat sich im Raumordnungsprogramm Flächen gesichert, die den Kiesabbau für mindestens weitere 20 Jahre sichert. Wir wollen aber verhindern, dass nun noch weitere Flächen und damit auch der Wald abgebaut werden. 

copyright: Nelekke

Was ist denn eigentlich dieses „FFH-Gebiet“?

FFH steht für „Flora und Fauna Habitat“. Solche Gebiete sind besonders schützenswert, da sie aufgrund ihrer Beschaffenheit (Bodenqualität und Wasservorkommen) besonders vielen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum geben. Hier findet man besonders viele sehr seltene Arten, die oft auf der „roten Liste“ stehen. 

FFH-Gebiete unterliegen den europäischen Naturschutzrichtlinien im Rahmen des Programmes „Natura 2000“. Was diese Gebiete so besonders macht: Sie sind von „gemeinschaftlicher Bedeutung“, das heißt, die Arten und natürlichen Lebensräume (Biotope), die darin vorkommen, sind nicht nur aus deutscher, sondern aus gesamteuropäischer Sicht besonders schützenswert. 

Deutschland hat seine insgesamt 5181 Natura 2000-Gebiete – 4606 FFH- und 742 Vogelschutzgebiete – zwar nach Brüssel gemeldet. Aber bis heute haben Bund und die dafür hauptsächlich zuständigen Länder es versäumt, wirklich alle Gebiete auch als Schutzgebiete „auszuweisen“, dh. für jedes einzelne eine rechtsverbindliche Verordnung aufzuzustellen, die sogenannte Erhaltungsziele festlegt. „Ausweisung” heißt, es wurde zunächst eine Bestandsaufnahme der jeweils vorhandenen Arten und Lebensräume gemacht, dann wurde entschieden, welche besonders erhaltenswert sind und schließlich die Maßnahmen festgelegt, mit denen diese Erhaltung gesichert werden müssen. Zur „Ausweisung“ gehört auch, dass die Gebiete auf Landkarten und in der Landschaft selbst mit Schildern als Natur- oder Landschaftsschutzgebiete gekennzeichnet werden.

Was die Ausweisung von Naturschutzgebieten anbelangt ist Niedersachsen unter den Bundesländern das traurige Schlusslicht. Derzeit erhebt die EU Klage gegen die Bundesrepublik wegen dieser Verschleppung.

Weiterführende Informationen siehe unter dem Stichpunkt „Links“

Und was bedeutet das jetzt für unsere Aue und den Pferdebach?

Nach unseren Kenntnissen ist unser Gebiet beschlossen, die Verordnung ist seit dem 1. März 2021 in Kraft und es ist in offiziellen Karten ausgewiesen. Schilder stehen noch nicht- die Behörden brauchen immer etwas länger.

Ist eine naturnahe Renaturierung nach einem solch massiven Eingriff in die Natur überhaupt möglich?

– Jein. Handelt es sich um „normale“ Waldflächen und macht man es ordentlich, so kann eine Renaturierung sogar ein Gewinn sein. Sensible Gebiete wie das FFH-Gebiet, das ja ein Feuchtgebiet ist, sind allerdings nicht mehr wieder herzustellen.

Noch mehr dazu?

Seit der Videokonferenz vom 09.06. JA! Das Planungsbüro Patt hat in seiner Präsentation ein paar Beispiele für „gelungene“ Renaturierungsmaßnahmen gezeigt, so wie Fa. Lütchens und ihr Landschaftsplaner es sich vorstellen und wie dies von der Naturschutzbehörde genehmigt wurde. Das waren eine brachliegende Magerwiese und das Industriegebiet zwischen Garstedt und Neu Garstedt. Hieraus stellt sich natürlich eine weitere Frage die wir nicht beantworten können:

Soll das der Ersatz für unseren schönen Wald sein?

Was ist eigentlich eine Magerwiese?

Eine Magerwiese, ist eine sehr artenreiche Wiese, die nur 1–2mal im Jahr gemäht und kaum gedüngt wird. Häufig werden Magerwiesen auch in Forste oder Bauland umgewandelt. 

Magerwiesen als Pflanzengesellschaft nährstoffarmer Standorte gehen in Mitteleuropa auf die Tätigkeit des Menschen zurück. Weidetiere verbissen die Sträucher auf bewaldeten Flächen und so entstanden Lichtungen- bis der Wald ganz verschwand und eine Magerwiese zurückblieb. 

Unter den heutigen Bedingungen der Landwirtschaft ist die Bewirtschaftung von Magerwiesen nicht mehr rentabel. Wegen der geringen Erträge ist die Magerwiese heute ein sehr gefährdeter Lebensraum, ihre Erhaltung ist daher ein wichtiges Anliegen des Naturschutzes.

Magerwiesen zeichnen sie sich durch ihren großen Artenreichtum aus, sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt, denn sie beherbergen viele Arten, die auf der Roten Liste stehen. 

Die Blütenpracht der Magerwiesen lockt Schmetterlinge, Bienen und viele andere Insektenarten, für die der Pflanzennektar eine wichtige Nahrungsquelle ist. Auch der Boden ist dicht besiedelt mit Käfern, Würmern und anderen Kleintieren. Die Insekten locken wiederum insektenfressende Vögel an, wodurch Magerwiesen Lebensraum für eine Vielzahl verschiedenster Arten schaffen.

Auf sauren Böden kommen sie vor allem auf Sand vor, oft in Zusammenhang mit Heideflächen

Aber das FFH-Gebiet soll doch gar nicht abgebaut werden! Wieso macht Ihr dann so viel Lärm drum?

– Das ist richtig: Das FFH-Gebiet selbst wird nicht abgebaggert werden. Allerdings möchte die Firma Lütchens bis auf ca. 50m an das Gebiet ran den Sand/Kies abbauen. Durch den entstehenden See und den fehlenden Wald entsteht eine riesige Verdunstungsfläche. Das FFH-Gebiet wird dann nach Vermutungen von Experten trockenfallen und somit die Artenvielfalt sterben. 

ABER: Die Natura 2000 Gebiete – das sind die FFH-Gebiete plus die EU-Vogelschutzgebiete – unterliegen auch einem Verschlechterungsverbot, dh, sie müssen so gemanagt werden, dass die darin vorkommenden Arten und Lebensräume, die laut Schutzgebietsverordnung besonders erhaltenswert sind, nicht gestört oder beeinträchtigt werden. Auch dieses Verbot ist strafzahlungsbewehrt. 

Warum ist denn unser FFH-Gebiet so besonders?

Unser FFH-Gebiet ist ein besonderes Feuchtgebiet welches sehr vielen Pflanzen und Tieren ein Schutzraum bietet. 

In dem Gebiet rund um die Aue finden sich viele seltene Pflanzen wie die Bach-Nelkenwurz, der Bauernsenf und das Milzkraut. Manche Pflanzen die sich hier finden stehen auf der roten Liste besonders bedrohter Pflanzen. Auch äußerst seltene Pilze wie die gefurchte Lorchel oder der Ohrenlöffel-Stachelling finden sich hier.

Auch für massiv bedrohte Fischarten wie Meerneunauge, Flussneunauge, Schlammpeitzger und Steinbeißer bietet das FFH-Gebiet einen der letzten intakten Lebensräume. Auch diese Arten sind massiv vom Aussterben bedroht.

Unser liebstes Pflanzenexemplar, kommt ausschließlich in unserem Wald vor: 

Betula bagger exitus

copyright: Nelekke

Wieso wollt Ihr den Wald überhaupt erhalten? Es ist doch „nur“ ein Kiefernwald und damit wertlos.

– Vom Holzwert mag ein Kiefernwald weniger wert auf dem Markt sein. Aber auch hier finden sich viele Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Unser Kiefernwald in der Osterheide beginnt übrigens gerade ein Mischwald zu werden. Durch Sameneintrag von z.B. dem Eichelhäher beginnen Laubbäume zu wachsen. Übrigens ist es ein Irrglaube, dass Nadelbäume weniger Photosynthese betreiben als Laubbäume. Da die Nadeln nicht abgeworfen werden, können Nadelbäume über das ganze Jahr Kohlenstoffdioxid binden und Sauerstoff produzieren. Die Nettoleistung über ein Jahr gesehen ist fast so hoch, wie die eines Laubwaldes. Außerdem verhindert jeder Wald das Absinken des Grundwassers und dient als Erosionsschutz. 

Wieviel Luft reinigt eigentlich ein Hektar Wald im Jahr? 

– Ein Hektar Wald filtert pro Jahr ca. 50 Tonnen Ruß und Staub aus der Luft!

gab es nicht unter dem Wald auch Hügelgräber?

In der Bronzezeit – 1700 – 700 v. Chr. – war das Tal des Aubaches zwischen Wulfsen und Tangendorf besiedelt von sesshaften Ackerbauern und Viehzüchtern. Davon zeugen heute noch Hügelgräber, die zum Teil ausgegraben wurden, zum Teil, wie in dem Wald zwischen Wulfsen und der Kiesgrube, noch unberührt ruhen.

Unter dem Wald, den die Firma Lütchens abholzen will, befinden sich fünf bronzezeitliche Hügelgräber, copyright: Nelekke

copyright: Nelekke

Wer ist die Hüterin des Waldes?

Die Waldameise (Formica rufa)

Im Frühling beginnt der Ameisenhaufen zu erwachen

Ameisenhaufen im Frühling am Waldrand vor der Kiesgrube

Die Nester der Waldameise sind kleine Kunstwerke. Bis zu zwei Meter ragen die aus Nadeln, Holzstückchen und Harzklumpen zusammengetragenen Hügel in die Höhe. Unter der Erde setzt sich das Nest fort, in der Regel ist es mindestens so tief wie hoch. Wer einen Stock in dieses Gebilde bohrt, gefährdet das gesamte Ameisenvolk. Brutkammern und Vorratslager werden zerstört, Feuchtigkeit und Kälte dringen ein. Einen Ameisenhügel zu zerstören, ist nicht nur dumm. Es ist verboten. Denn Waldameisen und ihre Nester stehen unter Naturschutz.

Quelle: waldkulturerbe.de

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft 

Lebensalter: ca. 3 Jahre, Königinnen bis 15 Jahre

Größe: 4 bis 9 mm, Königinnen 9 bis 11 mm

Lebensraum: bevorzugt sonnige Waldränder

Vorkommen: deutschlandweit

Aber Lütchens verspricht uns doch, dass er wieder aufforstet und so ein toller Badesee? Das ist doch schön!

– Das Gelände wäre für 60 Jahre plus X eingezäunte Mondlandschaft, die keine Bürgerin und kein Bürger nutzen könnte. Selbst wenn in vielleicht 100 Jahren ein toller See mit einem neuen Wald drum herum entstehen könnte: Das sind viele Generationen, über die dieses riesige Areal unzugänglich für unsere Kinder und Enkel wäre. Unsere Kinder würden den tollen Badesee vielleicht gar nicht mehr erleben.

Wo können wir uns die bisher renaturierten Flächen ansehen?

– Als renaturierte Fläche gilt das kleine Stück am nördlichen Grubenrand. Hier kann man deutlich sehen, dass die Maßnahmen unzureichend sind. Übrigens ist das eine Fläche, die bei der geplanten Erweiterung wieder weichen muss.

Muss man bei einem solchen Vorhaben der Rohstoffgewinnung nicht irgendwo Geld einzahlen, um die Renaturierung zu sichern?

– Die Firma Lütchens hat 1999 100.000,- DM als Sicherheit vorweisen müssen. Was mit dem Geld am Ende gemacht wurde, ist allerdings Lütchens Entscheidung gewesen.

Aber kann es nicht irgendeinen Kompromiss geben?

Nein! Im Jahre 1998 wurde nach langen Verhandlungen zwischen der Firma Lütchens und der damaligen BI ein Kompromiss geschlossen. Unter anderem, dass Lütchens professionell aufforstet und renaturiert, dass der Wanderweg erhalten bleibt (der ja nun schon eingezäunt ist und an dem es schon Erdbewegung gibt) und dass es definitiv keinen Steinbrecher sowie Büroräume geben wird. An all diese Kompromisse, in die Lütchens eingewilligt hat, hat er sich nicht gehalten. Es bleibt uns also nur ein klares „Nein!“.

Wieso sagt Ihr, dass demnächst mehr LKWs durch Tangendorf und Toppenstedt fahren werden?

– Firma Lütchens hat in den letzten 20 Jahren in Tangendorf auf ca. 16 Hektar Fläche Sand gewonnen. 18 weitere Hektar wurden ihnen vor kurzem erst zusätzlich genehmigt. Fa. Lütchens will jetzt in den nächsten 30-50 Jahren insgesamt 185 Hektar abbauen. Und das nicht wie bisher in 5 m Schichtstärke sondern durch den Nassabbau in bis zu 16m Schichtstärke. Das heißt, Fa. Lütchens sichert sich jetzt Sand für nicht 50 sondern für 150 Jahre oder, was wahrscheinlicher ist, der Abbau wird massiv ausgebaut. Und ein massiver Ausbau der Sandgewinnung heißt auch mehr Sand der abgefahren werden muss und entsprechend mehr LKWs.

Wieviele LKWs fahren denn heute so durch Tangendorf?

Genau wissen wir es nicht, aber wir haben an verschiedenen Tagen, zu verschiedenen Tageszeiten gezählt und kommt im Mittel auf ca. 15 LKW pro Stunde- allein die LKW der Firma Lütchens.  

FunFact: Vor 20 Jahren vermutete die damalige BI, dass durch die Kieskuhle Tangendorf mit einem LKW-Aufkommen von mehr als 6 LKW pro Stunde zu rechnen wäre. Das wurde damals von der Samtgemeinde und Fa. Lütchens als absurde Behauptung abgetan.

Habt Ihr schon mal mit Lütchens gesprochen?

Nein, das haben wir nicht. Herr Lütchens ist ein Unternehmer, der Geld verdienen möchte. Und das ist sein gutes Recht. Allerdings nicht auf Kosten von uns Bürgerinnen und Bürgern. Wir finden, die Firma Lütchens sollte uns Bürgerinnen und Bürger kontaktieren und fragen, ob wir eine Erweiterung der Kieskuhle in diesem Rahmen wünschen. Wir sehen uns hier nicht in der Bringschuld! Wir haben Herrn Lütchens zu unserer Informationsveranstaltung eingeladen- er hat noch nicht einmal abgesagt, sein Interesse an Gesprächen mit uns kann nicht besonders groß sein.

copyright: Nelekke
https://www.facebook.com/groups/828258268093195?locale=de_DE